Die Wolfsfrau – 1. Kapitel

Erstes Kapitel – das Geheul: Die Auferstehung der Wilden Frau
LaLoba
Jetzt weiß ich warum ich so gerne barfuß gehe. Soweit es geht bin ich zuhause immer barfuss unterwegs. Im Haus sowieso, aber auch im Garten, auch bei Regen und Schnee. Ich spüre so gerne die Erde unter mir. Sie erzählt mir wie es ihr geht. Sie ist warm oder kühl, hart oder weich, trocken oder nass.

Ganz viel nehme ich über meine Fußsohlen wahr. Eine alte Geschichte erzählt von „La Que Sabi“ der Ur-Frau, aus deren Fußsohlen das Geschlecht der Frauen entstand. Mit Schuhen an den Füssen sind wir blind. Genauso fühle ich es auch.Die Erzählung der alten Frau, Gesang über die Knochen,  welche die Knochen der Wölfe sammelt und über ihnen singt, erinnert mich an die schamanische Zerstückelung. Eine der eindrücklichsten Reise die ich hatte.
Ich wollte erst nicht und dachte, es wäre unnötig. Selbst in der Reise wehrte ich mich noch dagegen. Meine Krafttiere haben mich darauf  hin, in einen Sumpf geführt und ich steckte fest. Ein Krokodil erschien und fraß mich, verdaute mich, nahm mich in seine Zellen auf und legte mich als Krokodilei in den warmem Wüstensand, in  dem ich wieder zu meiner menschlichen Gestalt heran wuchs und mich aus der Eihülle befreite. Da war ich wieder… neugeboren quasi.

Es war ein komisches Gefühl nach der Reise. Es ging mir gut, aber irgendwie war es verwirrend.
Schamanische Praktiken sind sehr hilfreich bei solchen Entwicklungen. Ich liebe es damit zu arbeiten.

Bevor ich das schamanische Reisen kennen lernte, habe ich meditiert.
Auch die Meditation kann uns helfen diese Tiefen in uns zu erreichen. Damit meine ich aber nicht diese geführten Reisen, die uns in der Esoterik oft als Mediation verkauft werden.
Diese mit Worten vorgegebenen Orte sind Oberflächlichkeit an denen wir uns festhalten und in denen wenig tiefe Erfahrungen möglich sind.

Wirkliche Meditation ist was anders. Sitzen, bis die Gedanken schweigen … für viele Menschen ein nutzloses Unterfangen. Da passiert ja nix. 
Das habe ich einige Jahre praktiziert bis ich den Punkt erreichte, das ich den Sinn verstehen konnte. Ein einziger Punkt, kann deine Wahrnehmung auf die Welt verändern.

Bei mir war es kein besonderer Tag, keine besondere Mediation, keiner der viele Retreats, sondern nur ein einfacher Abend im Buddhistischen Zentrum. Und plötzlich ging mir ein Licht auf. Ich saß und alles veränderte sich. Ich hörte das Licht und sah den Klang, alles war eins und ich war .. nichts. Ob das die vielgepriesene Erleuchtung ist. Keine Ahnung, ich werde es wissen, falls noch mehr kommt 😉

Aber wie sagen die Zen Mönche, „Nach der Erleuchtung- ist vor der Erleuchtung“. Das Leben geht genauso weiter. Ich schlafe, koche, esse, putze, … doch ich lächele dabei.
Es ist wie mit den vier Rabbinern in der Geschichte. Der eine verliert seinen Verstand, der andere leugnet die Geschehnisse, der dritte wird zum missionierenden Fanatiker, nur der Letzte, lebt ganz normal weiter und lässt dieses Wissen in ein ganz alltägliches Tun einfließen.

Ich schaue zurück und erkenne so viele Wunder, die mir widerfahren sind. Und doch erst jetzt nachdem ich zur „Alten“ geworden bin, kann ich sie verstehen und wirklich nutzen. Ich bin Oma geworden, meine Eltern sind gestorben, ich bin also die Älteste in der Familie, trage nun deren Energie weiter. Es ist ein erhebendes, kraftvolles Gefühl.
Und ich darf – nein, „darf“ ist das verkehrte Wort – ich habe mir den Raum geschaffen, das auszuleben und an anderen Menschen weiter zu geben … wenn sie es denn hören und sehen wollen. 😉


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