Die Wolfsfrau – Kapitel 2

Die erste Einweihung –

Blaubart
Das Märchen vom Blaubart kennen bestimmt einige von euch. Klingt auf den ersten Blick ziemlich gruselig, doch was steckt wirklich dahinter?
Blaubart spricht ein Verbot aus: „Du hast den Schlüssel, aber schau niemals in die Kammer“
Kenn wir nicht alle solche Verbote? Ich kenne jede Menge davon:“Das macht man nicht. Das darf ein Mädchen nicht.. Das gehört sich nicht…“
Meine Mutter war ein Meisterin darin, Vorschriften ohne Begründung zu befolgen. Ich hatte immer die Frage: Warum? und die konnte sie mir auch nicht abgewöhnen.
Ich habe immer alles hinterfragt. Bestimmt habe ich mein Umfeld damit ganz schön terrorisiert. Jedenfalls solange bis ich lesen konnte. Ich hab tatsächlich die Bibel gelesen, meine Mütterliche Linie war sehr gläubig. Erst Geschichten in kindgerechter Form später auch das ganze Buch. Am meisten hat mich die Geschichte von Adam und Eva fasziniert. Ich habe nie verstanden warum es eine Sünde sein soll, alles zu wissen. Komischer Gott. Würde doch viel einfacher sein, wenn die Menschen wissend wären. Ich wurde von meinen Großmutter auch immer darauf hingewiesen, das es nicht gut ist alles wissen zu wollen.

Die Rolle des Blaubarts haben demnach meine weiblichen Ahnen übernommen. Durch Kriege und Vertreibung selbst einem Großteil ihrer Kraft beraubt, versuchten sie sich anzupassen um zu überleben und gaben diese Ängste unbewusst an mich weiter.
Pubertät und Auflehnung gab es nicht. Der Ausweg aus diesem weiblichen Klammergriff von Mutter, Oma und Uroma, war eine feste Beziehung, Ehe.

Prompt habe ich mir einen Mann gesucht, der genau das gleiche Muster weiterführte. Und die vermeintliche Freiheit in die ich mit knapp 20 Jahren entwischen wollte, hat sich als Falle erwiesen. Er war kein Retter, im Gegenteil, er erwartete dass ich ihn rette. Ein Alkoholiker, unfähig sich selbst und seiner Gefühle zu achten, versuchte er durch Unterdrückung den Schein des Übermächtigen zu wahren.
Lange habe ich mitgespielt, kannte ich doch nichts anders als dieses Muster.

Das mir ständig erzählte wie unfähig ich bin „Das kannst du nicht“, sagte meine Mutter. „Du bist zu blöd dazu“, erklärte mir mein Mann.
Doch dieses Fünkchen „Neugierde“ konnten beide in mir nicht zum erlöschen bringen. Ich wollte mehr wissen, über das was unbegreiflich schien, Magie, Spiritualität, Mediation, …
Sie haben gelacht und mich nicht ernst genommen. Ich sollte mich doch lieber um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kümmern, Kinder, Job, Haushalt.

Ich hab mich bemüht…lange. Bis ich zusammen brach und irgendwann vor diesem Scherbenhaufen saß. Und natürlich hatte ich es kaputt gemacht, sagten Mutter und Mann

Ich wurde die Böse. Setzte den Kerl vor die Tür, sperre meine Mutter aus, gab meinen Job auf und begann alles zu verändern.
Ich begann das zu machen, was ich konnte. Karten legen, mit Menschen reden und ihnen Raum geben zu erzählen. Meine Lebensaufgabe!
Wie ich dich gefunden habe?
Nicht durch irgendwelche esoterischen Medien, sondern durch den Alltag. Es war mir schon in der Therapie aufgefallen, das alle zu mir kamen um zu reden. Die Therapeuten flachsten schon, das sie mich hier einstellen sollten. Und selbst bei einem Bewerbungsgespräch, erzählte mir die Personalleiterin ihre Probleme mit ihrer Mutter.
Also warum nicht das zum Job machen, was man kann.

Wobei ich mit der ganzen Spirituellen Szene so meine Probleme haben. Sie suchen alle nach dem Schlüssel, zum Glück, zur Selbsterkenntnis und Selbstliebe usw.
Und versuchen sie im Licht und Liebe zu finden, wir haben so eine „Alles wird gut, wenn du nur daran glaubst“ Grundlage, in der Schatten und Macht ausgeklammert werden.
„Wenn ich lieb bin, wird mir nichts Böses passieren. Wenn ich immer positiv denke, wird nichts Negatives meinen Weg kreuzen. Wenn ich mich anstrenge, wird alles gut.“
Das ist genau dieses naive Denken, das uns immer wieder in Blaubarts Falle lockt. Gerade auch sogenannte Lichtarbeiter. Sie haben den Schlüssel aber sie trauen sich nicht.
Das Böse ist da, direkt vor deiner Nase. Du kannst es riechen, da hilft auch kein Blümchenparfüm. Spürst du wie es in einem Bauch zu knurren anfängt? Lass es raus. Ich könnte wenn ich wollte … Schwarze Magie. Da darfst du dich nicht mit beschäftigen. Doch ich habe keine Angst mehr vor der Dunkelheit. Ich kenne sie.
Aber wehe du erwähnst sowas in den „erleuchten Kreisen der Lichtarbeiter“. Huu… die sehen dann nur noch deine dunklen Anteile. Da wurde doch über uns gemunkelt und hinterm Rücken die Frage gestellt, „… ob wir überhaupt noch mit Licht arbeiten könnten …“
Manchmal könnte ich sie beißen und schütteln …
Um das Licht zu leben, musst du den Schatten kennen. Ist einfach so!


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